Gemeindebrief

Winter 2017

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.                                                                                                                                                                        Lukas 1,78-79

 

© Evangelische Waldkirche Stuttgart

Besuch „von oben“: wer rechnet noch damit? Nur noch wenige singen im Advent: Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist (Evang. Gesangbuch, Nr. 1). Aber auch das Lied derer, die alles schon irgendwie selber „schaffen“, ist nicht mehr so oft zu hören. Der Ton ist rauer geworden. Die Ansichten darüber, wie brennende Fragen unserer Zeit zu lösen seien, gehen weit auseinander. Auch Gewalt ist im vergangenen Jahr wieder ins Spiel gekommen.

Aber doch: in der Weihnachtszeit werden viele Menschen von jenen Momenten ergriffen, in denen eine alte Hoffnung durchschimmert. Der winterliche Lichterglanz in den Stuben, das Glitzern auf Straßen und Plätzen – aber auch nur eine einzige Kerze an einsamem Ort, dort, wo es kalt ist und dunkel und wo die Menschlichkeit kaum mehr hinkommt: unsere Lichter sind Signale der Sehnsucht nach Besuch „von oben“. Es sind die Momente, in denen wir unsere Hände in den Schoß legen sollten. Aufhören mit all dem Rennen und Hinterher-Laufen, als ob wir ständig etwas verpassten, etwas nicht geschafft hätten.

Wer auf „Besuch von oben“ wartet, lässt den Kopf nicht hängen, sondern wendet sein Gesicht dem Licht entgegen. In seinem Schein verändert es sich: das Gesicht des Wartenden wird schön,  nimmt den Glanz des Augenblicks an, beginnt selbst zu strahlen. Eine Phantasie davon kommt auf, dass das Leben ganz anders sein könnte. Frieden breitet sich aus.

Immer wieder – so erzählen es uns die Zeugnisse des Glaubens – kommt Gott bei Menschen „zu Besuch“. Er kommt in verborgener Gestalt. Auch unsere Vorväter und -mütter erkennen ihn oft nicht. Häufig erschrecken sie sogar, ein Engel muss ihnen das „Fürchtet euch nicht!“ zurufen.

An Weihnachten kommt Kinderbesuch. Staunen über das Wunder des Lebens vertreibt die Furcht. Verschwunden sind alle Gedanken an menschliche Allmachts- und Weltrettungsphantasien. Solch unwiderstehbare Macht kann nur von einem neugeborenen Kind ausgehen. Es ist die Macht einer Bitte. „Sein Zepter – das Zeichen seiner Herrschaft – ist Barmherzigkeit“ heißt es in besagtem Lied Nr. 1. Diese Melodie ist auch an verlorenen Orten nicht zu überhören und nicht aus den Herzen zu vertreiben.

Mit herzlichem Gruß zur Weihnachtszeit

Ihr Pfarrer