Gemeindebrief

Herbst 2019

Gott spricht:
Solange die Erde steht, soll nicht aufhören
Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.
1. Mose 8,22

Sonnenblume

© Evangelische Waldkirchengemeinde Stuttgart

In den Jahren 1845 bis 1849 wütete in Irland ein kleiner Pilz, der die Kartoffeln auf den Äckern verfaulen ließ und damit die Lebensgrundlage der ländlichen Bewohner fast vollständig zerstörte. Eine gewaltige Hungersnot halbierte die Bevölkerungszahl innerhalb weniger Jahre um rund die Hälfte: Schätzungsweise eine Million Iren verhungerten, weitere ein bis zwei Millionen wanderten in den folgenden Jahren aus – vor allem nach Kanada, Australien und in die USA. Bis heute ist das Leben in Irland von dieser Zeit geprägt. (Bericht: planet-wissen.de)

Das alles ist gerade einmal 170 Jahre her, ein paar Sekunden im großen Gang der Menschheitsgeschichte. Jahrtausende lang spürten die Menschen überall auf der Welt: Wir sind abhängig, bis auf die Knochen. Vom Wetter, vom Klima, von den Launen der Natur, die ihre Kapriolen geradezu bösartig an den Menschen auslässt. Zum Hunger gesellten sich in Irland Seuchen wie Pest und Typhus.

Genauso erging es den Menschen in biblischen Zeiten: Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht: der Kreislauf von Werden und Vergehen und neuem Werden setzte ihnen jedes Jahr neu das Messer auf die Brust, verlangte ihnen große Anstrengungen ab: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde wirst, davon du genommen bist. Denn Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück“ – so das Wort Gottes an Adam, den Menschen. Die Erde, von der er sein Brot essen würde, war alles andere als das Paradies, das er samt Eva, der „Mutter alles Lebendigen“, verlassen musste. Saat und Ernte blieben gefährdet. Die bald folgende Geschichte von Noah und der großen Flut hält die uralte Befürchtung fest, es könnte auch anders kommen.

Die Erinnerung an Noahs Arche hält aber auch das Versprechen Gottes fest: Auf die gute alte Erde ist Verlass. Das war das Versprechen Gottes an Noah nach der Sintflut-Katastrophe.

Heute scheint alles anders zu sein. Der Mensch kann alles. Abhängig ist er bis auf die Knochen – von sich selbst. Vertrauen kann er nur darauf, was er sich selbst verspricht. Fraglich bleibt, ob dieses Vertrauen ausreicht.

Herzlich lade ich Sie ein zum Erntedankfest am 29. September: um 11 Uhr ist Gottesdienst, die Kinder des Kindergartens sind dabei. Wir wollen den Altar der Waldkirche schmücken und „Danke“ sagen. Danken tut gut. Im Danken kommt etwas Neues ins Leben hinein. Wir spüren bis ins Herz: Ja, wir sind abhängig. Vom Geber aller guten Gaben, von seiner Barmherzigkeit. Allen Kapriolen der Natur und menschlichen Fehlern zum Trotz.

Mit herzlichem Gruß Ihr Pfarrer