Gemeindebrief

Winter 2018

Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.

(Matthäus 2,10)

 

Wie viele Sterne leuchten schon lange vor Weihnachten in Straßen und Geschäften, hinter Fensterscheiben und von den Dächern! Überall glitzern sie an den lang gewordenen Winterabenden – und alle haben sie 
ihren Glanz aus dieser einen Nacht von Bethlehem, aus dieser Geschichte von den „Weisen aus dem 
Morgenland“. Irgendwann waren sie in der Erinnerung der Christen sogar zu Königen geworden. Ursprünglich waren sie wohl Magier, Leute, die sich „magischen“ Dingen verschrieben hatten. Ihr besonderes Wissen über den Lauf der Welt zogen sie aus der Beobachtung des Sternenhimmels. 

Auffallend ihre Neugier: sie geht über das bloße Wissen-Wollen hinaus. Es geht um Weltgeschichte, und sie wollen dabei sein: „Wo ist der neugeborene König der Juden?“ Der Stern, wie aus einer anderen Welt, verbindet sich mit dem irdischen Geruch von Heu und Stroh und Ochs und Esel und eben: mit großer Freude über dieses Kind – mit aller Freude, zu der Menschen überhaupt fähig sind.  

Was tun in einem solchen Moment, in dem man vor Freude gar nicht mehr weiß, wohin? Das ist eine schöne und zugleich tragische Frage, die vielleicht nur wir moderne Menschen so stellen. „Ich bin voller Dankbarkeit, habe aber keine Adresse, an die ich meinen Dank richten kann“, sagte mir einmal eine junge Mutter in tiefem Bewusstsein des Dankes über ihr Kind.

Die Magier tun etwas Altmodisches: sie fallen auf ihre Knie. Überwältigt von der Größe dieses Augenblicks suchen sie den Kontakt mit dem Boden, auf dem sie stehen. Sie wissen, dass dieser Moment größer ist als alles, was sie am Sternhimmel entdecken können – und sie beugen sich unter dieses Wissen.

Der Stern hat ihnen den Hinweis gegeben: das Leben birgt ein Versprechen in sich, das nicht von dieser Welt ist. Aber um diesem Versprechen nachzugehen, müssen sie sich wie alle Sterblichen auf einen 
irdischen Weg machen.

„Den aller Welt Kreis nie beschloss, 
der liegt in Marien Schoß;
er ist ein Kindlein worden klein, 
der alle Ding erhält allein. Kyrieleis.“ 
(Evangelisches Gesangbuch, Nr. 23)

Unfassbar größer als die „Welt“ – und zugleich so klein wie ein neugeborenes Kind: so erscheint die göttliche Weltgeschichte. Und nichts kann der Mensch tun, solange er glaubt, „alle Ding“ schon selber auf die Reihe zu kriegen, anstatt sich auf den Weg zu machen mit der Frage der Magier im Herzen: „Wo ist der neugeborene König der Juden?“ König Herodes erschrickt, als er die Frage hört, spürt, dass eine neue Zeit anbricht, versucht dies mit Macht zu verhindern. So beginnt die neue Zeit mit den alten Mitteln und mit dem Mord an den Kindern von Bethlehem. Von Anfang an geht es um Leben und Tod, um Wahrheit und Lüge – und um eine Hoffnung, die dem Bösen trotzt. Am Ziel werden die drei Magier mit etwas belohnt, was sie sich selber nicht geben können, wozu sie sich aber doch auf den Weg gemacht haben: „Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.“

Mit herzlichen Segenswünschen zur Weihnachtszeit und auf dem Weg ins neue Jahr 2019

Ihr Pfarrer