Gemeindebrief

Winter 2019

Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.    
Johannes 1,14

Echte Begegnung

Zu einer echten Begegnung gehört mehr als Worte. Das erfährt jeder, der mit einem Freund über längere Zeit nur telefoniert oder E-Mails ausgetauscht hat. Auch beste Freunde müssen sich ab und zu persönlich begegnen – mit einer herzlichen Umarmung, mit gemeinsamem Lachen oder Weinen und mit dem vielsagenden Blick in die Augen des anderen. Erst so erleben wir einen anderen Menschen mit allem, was ihn ausmacht. Wir sind Menschen aus Fleisch und Blut. Wir müssen einander sehen, riechen, fühlen, um uns wirklich zu begegnen.

Unser Glaube spricht davon, dass Gott den Menschen auch auf diese Weise begegnet: in Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, mit Worten, Blicken und Berührungen, eben als Mensch unter Menschen. Die Geschichte von Weihnachten spricht von der echten Begegnung Gottes mit den Menschen. Sie zeigt uns Gott als jemanden, der gesehen und gefühlt werden kann, mit dem man lachen und weinen kann: Jesus Christus. Die Geschichte von Weihnachten sagt: Wer Gott ist, kann nicht in Büchern gelesen oder im Kopf überlegt werden. Man muss ihm ganz begegnen. Und man kann es auch.

Oder sollte man besser sagen: Man konnte es damals? Schließlich war es der Glaube der ersten Christen, dass ihnen Gott selbst begegnete, als Jesus unter ihnen lebte. Sie erzählten es und schrieben es auf: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns wir sahen seine Herrlichkeit.“ Sie erzählten von dem Kind in der Krippe und wie die Menschen darin Gottes Herrlichkeit erkannten. Uns bleiben ihre Worte. Aber es sind doch eben wieder nur Worte, oder? Manchmal scheint es, als ob diese Worte vor dem ganzen Gold und Glitzer der Weihnachtszeit verblassen.

Ich glaube, dass jedes Weihnachtsfest Teil der Begegnung Gottes mit uns Menschen ist. Nicht umsonst gehört zu Weihnachten mehr als Worte. Die Kerzen am Weihnachtsbaum, die Lichter überall – sie sind nicht einfach nur Schmuck. Sie stehen für die Gegenwart Gottes unter uns. Die Freude beim Singen der alten Weihnachtslieder. Sie lässt uns Gott in unserem Herzen spüren. Und schließlich kommen wir gerade an Weihnachten mit Familie und Freunden zusammen. Ich wünsche Ihnen, dass es gute Begegnungen werden! Sich umarmen, zusammen lachen und weinen – das Leben selbst soll an Weihnachten aufblühen. Möge mittendrin uns auch Gott selbst begegnen!

Mit den besten Wünschen für die Advents- und Weihnachtszeit grüßt Sie

Ihr Vikar