Andacht zum Sonntag Jubilate, 03.05.20 von Pfarrerin Eva Deimling

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Der Psalm 66 gibt dem 3. Sonntag nach Ostern seinen Namen „Jubilate“: „Jauchzet Gott, alle Lande! … Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!“ (V1.3)

 

Grund zum Jubeln sieht auch Paulus, wenn er über das Geheimnis von Ostern nachdenkt. Die Auferstehung Jesu Christi von den Toten markiert für ihn den Neubeginn der Schöpfung.

Im Wochenspruch aus 2. Korinther 5, 17 jubelt Paulus voller Staunen: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“

 

Ein anderes Bild für das „In-Christus-Sein“ verwendet der Predigttext aus dem Johannesevangelium:

 

Predigttext – Johannes 15, 1-5

Jesus Christus spricht: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

 

Gedanken

"Wer bist du?“ – so fragte Mose die Gottesstimme, die aus dem brennenden Dornbusch kam. – Und die Stimme antwortete: „Ich bin JHWH“ – „Ich bin, der ich bin, der ich immer war und immer sein werde.“

„Ich bin“ – Jesus stellt sich in diese Tradition der Offenbarung Gottes. Jesus sagt mehrere solcher „Ich-bin“ Worte: Ich bin der gute Hirte, ich bin das Licht der Welt... und er sagt auch: Ich bin der Weinstock.

Der Weinstock, eine der ältesten Kulturpflanzen, ist ein Symbol für das Leben. Seine Wurzeln reichen viele Meter in die Tiefe. So holt er aus den trockensten Böden die nötige Feuchtigkeit, um die Trauben mit süßem Saft zu füllen.

Wir sind die Reben. Jesus der Weinstock.  Von ihm kommt unsere Lebensenergie. Ich muss kein Kraftpaket sein, ich muss nicht alles können und immer erfolgreich sein. Nein. Die Kraft fließt mir zu, auf wunderbare Weise, unbemerkt und unerklärlich. Ich darf wachsen und reifen und Frucht bringen, die nicht aus mir selber kommt.

Ich empfinde es als ungeheuer tröstlich zu wissen: Unser Leben ist mehr als das, was wir daraus machen. Wir sind verwurzelt in dem Grund des Lebens. Wir hängen am wahren Weinstock, der uns sagt: „Bleibt in mir und ich in euch!“ Seine Kraft durchpulst unser Leben.

Das Zusammenspiel von Weinstock und Reben läuft in der Natur von selbst. Reben können sich nicht selbständig machen. Bei uns Menschen ist das anders. Wir haben einen eigenen Willen und entscheiden, mit wem wir uns binden und von wem wir uns wann trennen.

Unsere Aufgabe besteht darin, zu bleiben, am Weinstock Jesus Christus festzuhängen. Viermal betont der Predigttext in immer neuen Variationen: „Bleibt in mir!“ –

Diese Aufforderung lässt sich nicht mit einem einmaligen „JA“ beantworten. Das Bleiben wird zur Lebensaufgabe. Immer wieder neu gilt es zu prüfen: Wie lebe ich in der Nachfolge Jesu? Wie bleibe ich verbunden mit der Wurzel allen Lebens?

Wir kommen her von der umfassenden Liebe Gottes. Sie ist unsere Wurzel, unser Halt, unsere Kraft. Sie erfüllt uns, durchströmt uns, dass wir unsererseits Früchte bringen können. Unser begrenztes Tun enthält das Aroma der Liebe Gottes. Das ist auch ein Grund zu jubeln. AMEN

 

Gebet nach EG 406 (von Philipp Spitta)

Bei dir, Jesu, will ich bleiben, stets in deinem Dienste stehn;
nichts soll mich von dir vertreiben, will auf deinen Wegen gehn.
Du bist meines Lebens Leben, meiner Seele Trieb und Kraft,
wie der Weinstock seinen Reben zuströmt Kraft und Lebenssaft.

Könnt ich's irgend besser haben als bei dir, der allezeit
soviel tausend Gnadengaben für mich Armen hat bereit?
Könnt ich je getroster werden als bei dir, Herr Jesu Christ,
dem im Himmel und auf Erden alle Macht gegeben ist?

Amen.

 

Es grüßt Sie herzlich Pfarrerin Eva Deimling!